Geschichten 3
Wir sitzen alle in einem Boot
Vor einiger Zeit verabredete eine deutsche Firma ein
jährliches Wettrudern gegen eine japanische Firma, das mit
einem Achter auf dem Rhein ausgetragen werden sollte.
Beide
Mannschaften trainierten lange und hart, um ihre höchste
Leistungsstufe zu erreichen. Als der große Tag kam, waren
beide Mannschaften topfit, doch die Japaner gewannen mit einem
Vorsprung von einem Kilometer.
Nach dieser Niederlage war das
deutsche Team sehr betroffen und die Moral war auf dem Tiefpunkt.
Das obere Management entschied, dass der Grund für diese
vernichtende Niederlage unbedingt herausgefunden werden müsste.
Ein Projektteam wurde eingesetzt, um das Problem zu untersuchen
und um geeignete Abhilfemaßnahmen zu empfehlen. Nach langen
Untersuchungen fand man heraus, dass bei den Japanern sieben
Leute ruderten und ein Mann steuerte, während im deutschen
Team ein Mann ruderte und sieben steuerten.
Das obere
Management engagierte sofort eine Beraterfirma, die eine Studie
über die Struktur des deutschen Teams anfertigen sollte.
Nach einigen Monaten und beträchtlichen Kosten kamen die
Berater zu dem Schluss, dass zu viele Leute steuerten und zu
wenige ruderten. Um eine weitere Niederlage gegen die Japaner
vorzubeugen, wurde die Teamstruktur geändert. Es gab jetzt
vier Steuerleute, zwei Obersteuerleute, einen Steuerdirektor und
einen Ruderer. Außerdem wurde ein Leistungsbewertungssystem
eingeführt, um dem Ruderer mehr Ansporn zu geben. „Wir
müssen seinen Aufgabenbereich erweitern und ihm mehr
Verantwortung geben.“
Im nächsten Jahr gewannen die
Japaner mit einem Vorsprung von zwei Kilometern.
Das
Management entließ den Ruderer wegen schlechter Leistungen,
verkaufte die Ruder und stoppte alle Investitionen für das
Boot. Der Beratungsfirma wurde ein Lob ausgesprochen und das
eingesparte Geld wurde dem oberen Management ausgezahlt.